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Die Sektion Wirbelsäulenchirurgie und Neurotraumatologie innerhalb der Fachabteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie bietet Ihnen hierfür ein hochspezialisiertes medizinisches Angebot. Dr. med. Sven Mularski und Thomas Langer, zwei erfahrene Spezialisten, bündeln ihre Expertise, um moderne, schonende und zugleich effektive Therapieverfahren auf höchstem medizinischem Niveau anzubieten.

Im Mittelpunkt steht dabei stets das Ziel, Schmerzen zu lindern, Funktionen wiederherzustellen und Ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern. Durch den Einsatz mikrochirurgischer und minimal-invasiver Techniken ermöglichen wir in vielen Fällen besonders gewebeschonende Eingriffe mit schnelleren Erholungszeiten.

Unser Leistungsspektrum umfasst die Behandlung degenerativer, traumatischer und tumorbedingter Erkrankungen der Wirbelsäule ebenso wie die neurotraumatologische Akutversorgung – individuell abgestimmt auf Ihre persönliche Situation.

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In Bewegung bleiben - moderne Medizin für Hüfte und Wirbelsäule

Welche konservativen Behandlungen vor einem operativen Eingriff stehen, was erreicht werden und wie man extrem starke Rückenschmerzen in den Griff bekommen kann, erklären die beiden Experten Marcus Reinke, Chefarzt Orthopädie und Unfallchirurgie und Dr. med. Sven Mularski, Leitender Arzt Wirbelsäulenchirurgie und Neurotraumatologie der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie in der Immanuel Klinik Rüdersdorf in der Radio-Sendung „Natürlich gesund“.

Julia Nogli:

Sie hören Radio Paradiso mit der Sendung Natürlich gesund. Mein Name ist Julia Nogli und unser Thema heißt heute In Bewegung bleiben. Moderne Medizin für Hüfte und Wirbelsäule.

Darüber spreche ich mit Dr. Marcus Reinke, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie und Dr. Sven Mularski, Leitender Arzt der Wirbelsäulenchirurgie und Neurotraumatologie in der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie in der Immanuel Klinik Rüdersdorf, Universitätsklinikum der Medizinischen Hochschule Brandenburg. Hallo, ich grüße Sie beide.

Dr. med. Sven Mularski:

Guten Abend. Hallo, guten Abend.

Julia Nogli:

Ja, Dr. Marcus Reinke, ich fange mit Ihnen mal an. Was ist das für ein großes Fachgebiet, was Sie da abdecken? Was machen Sie so für OPs und Eingriffe?

Worum geht es da?

Dr. med. Marcus Reinke:

Ja, Sie haben es schon gesagt. Es ist tatsächlich ein großes Fachgebiet. Ist es nicht nur die Orthopädie, sondern auch die Unfallchirurgie.

Und am Standort Rüdersdorf betreiben wir beides. Also Behandlung elektrischer, verschleißbedingter Erkrankungen von Wirbelsäule, Hüftgelenk, Kniegelenk, Schulter, also alles, was im Laufe des Lebens an Problemen am muskuloskelettalen System zustande kommt. Aber auch natürlich den akuten Unfall, sprich Verkehrsunfälle, Sportunfälle, berufsbedingte Unfälle.

Wir sind am Standort Rüdersdorf ein zertifiziertes Endoprothetik-Zentrum für die Versorgung degenerative Gelenkerkrankungen, aber auch ein zertifiziertes Traumazentrum, also hoch spezialisiert in beiden Bereichen, um sowohl akute Verletzungen wie auch chronische Veränderungen am muskuloskelettalen System zu behandeln.

Julia Nogli:

Ja, Endoprothetik heißt also auch Gelenkersatz. Und da, glaube ich, ist viel vorangegangen. Ich denke an die Hüfte zum Beispiel.

Also wie schnell die Leute wieder dann mobil werden danach. Also das ist alles schon im Grunde eine Routinesache.

Dr. med. Marcus Reinke:

Das stimmt. Also Routine bedeutet natürlich nicht, dass man das aus dem Handgelenk schüttelt, ohne sich groß Gedanken zu machen, sondern wir haben viel mehr Möglichkeiten, heutzutage hochgenau zu planen, auch die Gelenkersatz-Operationen hochpräzise umzusetzen während der Operation. Wir können deutlich schonender arbeiten im operativen Bereich durch moderne Implantate, die immer kleiner geworden sind, einen immer besseren Sitz im Knochen finden.

Und unsere Operationstechniken haben sich deutlich verändert. Wir brauchen nur noch kleine Schnitte. Das bedeutet auch eine schnelle Rehabilitation für den Patienten direkt in der postoperativen Phase noch bei uns im Krankenhaus.

Julia Nogli:

Sie hatten eben Kniegelenk auch erwähnt. Was ich immer so höre, ist, dass im Gegensatz zur Hüfte Kniegelenk immer ein bisschen komplizierter ist und schwieriger. Haben auch viele Angst vor, Knie operieren zu lassen.

Ist das berechtigt?

Dr. med. Marcus Reinke:

Ja, es ist schon so, dass wir statistisch sehen, dass Ersatzoperationen am Kniegelenk lange Zeit nicht so zufriedene Patienten letztendlich hervorgebracht hat wie der Hüftgelenksersatz. Das liegt zum einen daran, dass es das künstliche Hüftgelenk schon in der breiten Anwendung deutlich länger gibt als das künstliche Kniegelenk. Aber auch hier haben wir im Bereich des Kniegelenkersatzes deutlich aufgeholt.

Wir haben moderne Operationstechniken. Wir haben technische Hilfen dazu wie die Robotik oder die Navigation. Wir nutzen eine KI zum Planen der Implantatgrößen und des Implantatsitzes präparativ, sodass wir hier deutlich aufgeholt haben und eigentlich von den Ergebnissen jetzt relativ parallel laufen zu den sehr guten Ergebnissen aus der Hüftendoprothetik.

Julia Nogli:

Und im Knie ist oft auch nur so eine Teilprothese, oder? Also muss man sich nicht so vorstellen, dass das ganze Kniegelenk ersetzt wird, oder? Wie ist das?

Dr. med. Marcus Reinke:

Das stimmt. Das Kniegelenk ist ja im Vergleich zum Hüftgelenk anders aufgebaut anatomisch. Dort haben wir verschiedene Gelenkbereiche und da ist es nicht immer nötig, ein komplettes Kniegelenk zu ersetzen, sondern nur die tatsächlich verschlissenen Gelenkanteile.

Das beginnt mit Teilgelenken, sogenannten Schlittenprothesen. Das bedeutet letztendlich, dass wir entweder die Innenseite oder die Außenseite je nach vorliegendem Verschleiß ersetzen können. Und das letztendlich über verschiedene Prothesentypen bis zum kompletten Kniegelenkersatz ausweiten können, je nachdem, wie groß der verschleißbedingte Schaden am Kniegelenk ist.

Julia Nogli:

Dr. Mularski, zu Ihnen, was ist Ihre Spezialisierung? Das ist ja teilweise ähnlich wahrscheinlich, aber was umfasst Ihr Bereich?

Dr. med. Sven Mularski:

Ja, also ich bin Facharzt für Neurochirurgie und spezialisiert auf Wirbelsäulenchirurgie. Und wir ergänzen die Abteilung jetzt seit dem 1. Mai um den Bereich Wirbelsäulenchirurgie und auch die Neurotraumatologie.

Das heißt, wir versorgen Verletzungen des Kopfes und der Wirbelsäule, aber auch die Degeneration der Wirbelsäule, die Bandscheibenvorfälle, der Verschleiß, der uns alle plagt, ist das, was wir sozusagen jetzt da mit anbieten können. Wir sind zwei Fachärzte für Neurochirurgie, die das da jetzt machen und haben da einen sehr guten Start gefunden in den letzten Monaten.

Julia Nogli:

Bandscheibenvorfall hat jeder schon mal gehört, fürchtet auch jeder. Was wird da gemacht? Manchmal hört man auch, das wird nur konservativ behandelt oder so.

Also wird sicher auch davon abhängen, wie die Situation ist. Aber wie ist die Herangehensweise?

Dr. med. Sven Mularski:

Der kleinste Teil wird tatsächlich operiert. Also man kann sagen, dass wahrscheinlich nur ein wirklich kleiner Prozentsatz der Patienten, die einen Bandscheibenvorfall oder Verschleißerkrankungen der Wirbelsäule haben, operiert werden müssen. Und das ist, glaube ich, das Entscheidende.

Also man muss wissen, wann man operiert und vor allem, wann man nicht operiert, weil vieles kann man zunächst auch konservativ behandeln. Die Schmerztherapie, die Physiotherapie ist ein ganz entscheidender Faktor. Aber wir können auch zusammen mit unseren Kollegen aus der Radiologie, wir haben da eine sehr motivierte, gute Abteilung in Rüdersdorf, verschiedene Infiltrationstechniken machen, dass wir die Bandscheibenvorfälle konservativ behandeln.

Und das ist auch ein großer Schwerpunkt, den wir da jetzt anbieten können.

Julia Nogli:

Das ist ja HWS, also oben im Halsbereich, aber sehr oft auch unten in der Lendenwirbelsäule. Das ist wahrscheinlich der Klassiker.

Dr. med. Sven Mularski:

Man sagt, so ein Drittel der Beschwerden kommen aus der HWS und die anderen beiden Drittel tatsächlich aus der LWS. Die Brustwirbelsäule ist ganz, ganz selten betroffen.

Julia Nogli:

Und sind es meist ältere Leute oder auch jüngere?

Dr. med. Sven Mularski:

Also die Bandscheibenvorfälle sind durchaus auch jüngere Patienten. Das ist auch zum Teil unter 20. Das kommt selten vor, gibt es aber auch.

Aber die Verschleißerscheinungen wie Wirbelgleiten oder auch Spinalkanalstenosen sind dann tatsächlich eher die Patienten, ich sage mal 50, 60 plus.

Julia Nogli:

Und wenn doch operiert werden muss, was wird da genau gemacht?

Dr. med. Sven Mularski:

Das kommt so ein bisschen darauf an, was tatsächlich vorliegt. Aber in der Regel versuchen wir das Ganze mikrochirurgisch zu operieren, das heißt über kleine Schnitte mit minimierten Öffnungen den entsprechenden Bereich entweder vom Bandscheibenvorfall zu befreien oder den Spinalkanalknöchern so zu erweitern, dass die Patienten ihre Beschwerden loswerden und sehr schnell wieder mobil sind. Also typischerweise dürfen so operierte Patienten am Tag der OP schon wieder aufstehen und gehen in der Regel drei, vier Tage danach schon wieder nach Hause.

Julia Nogli:

Nun haben natürlich viele Leute Angst, wenn es um die Wirbelsäule geht, die Nerven laufen da lang, da könnte was schief gehen. Wie nehmen Sie diese Ängste?

Dr. med. Sven Mularski:

Also das, was einem am meisten entgegenkommt ist, oh je, oh je, dann bin ich ja danach im Rollstuhl, wenn ich operiert werde. Das ist eine Sache, die ich tatsächlich noch nie erlebt habe, die auch im Bereich der Lendenwirbelsäule anatomisch kaum möglich ist, aber das ist natürlich etwas, was sich so ein bisschen als Mythos hält. Wir operieren da so klein und unter Mikroskop-Sicht, dass wir da sehr gut sehen, was wir machen und die Nerven da sehr gut schonen können, sodass diese Sachen tatsächlich nicht vorkommen.

Julia Nogli:

Aber es ist, glaube ich, doch wichtig, im Aufklärungsgespräch auf sowas immer wieder hinzuweisen.

Dr. med. Sven Mularski:

Es ist vor allem wichtig, mit dem Patienten auch in der Aufklärung den Erwartungshorizont zu besprechen. Man muss mit ihm besprechen wie geht es Ihnen danach? Was können Sie von der OP erwarten?

Geht alles weg oder können wir einen Teilbereich gut behandeln? Also das Erwartungsmanagement mit Arzt und Patient ist, glaube ich, das Entscheidende, um dann auch einen zufriedenen postoperativen Verlauf zu haben.

Julia Nogli:

Dr. Reinke, bei diesen Endoprothetik bei Arthrose zum Beispiel, also da können Sie das alles schön planen und man weiß Bescheid, aber Sie versorgen ja auch Unfälle. Da hatte jetzt jemand vielleicht einen schweren Fahrrad- oder Reitunfall oder kommt mit einem gebrochenen Hüftebecken. Wie kann man denn da jetzt bestmöglich versorgen?

Oder auch wenn an der Wirbelsäule was ist. Jemand ist bei Glatteis gestürzt oder so.

Dr. med. Marcus Reinke:

Ja, dann machen wir uns natürlich auch ein Konzept. Wir untersuchen den Patienten. Ich hatte ja schon erwähnt, wir sind ein zertifiziertes Traumazentrum in Rüdersdorf.

Also sprich, wir haben die höchsten Ansprüche von den Qualitätsrichtlinien und verfolgen die auch bei jeder Behandlung. Das bedeutet, es gibt eine ausführliche Diagnostik. Wir haben Computertomografen am Standort, ein Kernspintomografen und können somit auch jegliche Bildgebung im akuten Fall gewährleisten.

Und danach planen wir je nach Dringlichkeit den Eingriff. Erstes Ziel ist natürlich immer das Gelenk zu erhalten. Also das ist Prämisse Nummer eins.

Nur weil in Anführungsstrichen jemand einen Unfall hat, bedeutet das nicht, dass er sofort ein künstliches Gelenk erhalten muss. Ziel ist immer, sofern keine degenerativen Vorschäden vor dem Unfall an dem Gelenk vorhanden sind, dieses auch bestmöglich zu erhalten.

Julia Nogli:

Aber es könnte ja auch sein, dass dann trotzdem ein Gelenkersatz her muss. Und wie machen Sie das dann, wenn jemand frisch eingeliefert wird bei Ihnen?

Dr. med. Marcus Reinke:

Da sind wir darauf vorbereitet. Wir haben als Endopathetikzentrum jegliche Implantate ständig vor Ort und können dementsprechend auch sofort handeln. Das bedeutet, wenn ältere Patienten einen Oberschenkelheizbruch erleiden durch einen entweder banalen Sturz zu Hause oder durch einen andersartig gestalteten Unfall, sind wir auch in der Lage, hier sofort handeln zu können, um letztendlich den Patienten schnellstmöglich wieder mobilisieren zu können, weil das ist die Prämisse bei solchen Verletzungen.

Julia Nogli:

Und gerade bei älteren Leuten, und das ist ja der Klassiker, das passiert ja so oft, war es früher oft so, oje, jetzt sind Sie im Krankenhaus, jetzt verändert sich alles. Aber Sie versuchen ja auch, diese alten Menschen, auch weit über 80, wieder schnell beweglich zu machen und dass sie wieder nach Hause können.

Dr. med. Marcus Reinke:

Genau. Wir sind ein alltagstraumatologisches Zentrum. Das war das Erste, was in Brandenburg in Kooperation mit einer geriatrischen Klinik gegründet wurde.

Dementsprechend haben wir da auch eine hohe Expertise. Und wir versuchen, die Frakturen innerhalb von 24 Stunden zu versorgen. Das hängt natürlich vom Allgemeinzustand des jeweiligen Patienten oder der Patientin ab.

Aber in der Regel werden die Patienten schnellstmöglich nach dem Unfallereignis so versorgt, dass die Immobilisation, also sprich die Liegezeit im Bett, so kurz wie möglich gehalten wird. Im Anschluss daran haben wir eine Rehabilitationsmaßnahme, die beginnt bei uns im Akutkrankenhaus und geht dann in der nachbehandelten Reha-Klinik weiter, sodass hier sofort auch nach Unfall eine umfassende Behandlung stattfinden kann.

Julia Nogli:

Dr. Mularski, nochmal zur Wirbelsäule. Da hört man manchmal, da wird was versteift und welche Wirbel werden zusammengesetzt. Was genau machen Sie da und warum?

Und mit welchen langfristigen Folgen dann für den Patienten?

Dr. med. Sven Mularski:

Ja, also bei der Wirbelsäulenversteifung, das sind typischerweise Instabilitäten der Wirbelsäule. Da kommt es zu starken belastungsabhängigen Rückenschmerzen. Die Patienten haben das Gefühl, der Rücken bricht auseinander.

Und man sieht dann, dass bei Verschleiß der Wirbelsäule die beiden Wirbel, die sozusagen die Bandscheibe einschließen, nicht mehr stabil übereinander sitzen. Das heißt, es kommt zu einem Verrutschen der Wirbel. Das führt zu Rückenschmerzen und das führt auch zu einer Reizung der ausgehenden Nerven.

Und das macht dann auch noch einen begleitenden Nervenschmerz. Und das sind Patienten, die oftmals nur im Sitzen oder Liegen einigermaßen beschwerdefrei sind und eine deutlich verkürzte Gehstrecke haben. Die können noch 100 Meter laufen, danach haben sie Rückenschmerzen, Beinschmerzen.

Und das sind dann halt die Fälle, wo man sich überlegen muss, reicht da eine kleine mikrochirurgische Operation oder erreicht man damit das Problem nicht und muss größer operieren. Und das sind dann die Patienten, die eine Versteifung von zwei Wirbeln und einer Bandscheibe bekommen, um diese Wirbel fest übereinander und gerade übereinander zu stellen, um die Nerven auch entsprechend zu befreien und den Patienten wieder eine vernünftige Lebensqualität zu geben. Weil das ist, glaube ich, das Entscheidende.

Wir können ja klein operieren, wenn es aber dem Patienten in seinen Beschwerden und seiner Lebensqualität nicht weiterhilft, dann ist es manchmal besser, die größere OP zu machen, um ihn dann auch wieder mobil zu bekommen. Und das sind heutzutage auch Operationen, die sind zeitlich sehr, sehr viel kürzer geworden als vor zehn Jahren. Auch die Patienten stehen in der Regel am ersten, zweiten postoperativen Tag auf und verlassen nach vier, fünf Tagen unser Krankenhaus, müssen dann den Reha-Prozess durchlaufen, sind aber sehr schnell dann mobil und auch zufrieden.

Julia Nogli:

Ja, weil Rückenschmerzen haben ja viele und wie Sie gerade sagen, sind die ja extrem schlimm. Wie heißt denn da die Diagnose, bei dem, was Sie gerade beschrieben haben?

Dr. med. Sven Mularski:

Das ist ein Wirbelgleiten auf dem Boden einer Bandscheibendegeneration, wenn Sie so wollen.

Julia Nogli:

Dass man es mal gehört hat.

Dr. med. Sven Mularski:

Spondylolistis, das kann man dann auch noch im Fachjargon dazu sagen.

Julia Nogli:

Ja, wenn man es mal gehört hat vielleicht. Und wie versteifen Sie die Wirbel? Kommt da irgendwas rein, irgendwelche Schienen?

Dr. med. Sven Mularski:

Da kommen tatsächlich Schrauben und Stangen in die Wirbelsäule. Das heißt, die beiden Wirbel werden jeweils mit zwei Schrauben oben und unten versorgt und zwei Längsstangen. Und die Bandscheibe selber wird komplett entfernt.

Und da kommt auch ein Platzhalter, in der Regel aus Titan rein, der auch die Wirbel dann wieder auf den normalen anatomischen Abstand bringt. Das Ziel ist ja auch, wenn wir versteifen, sozusagen ein anatomisches Ideal wieder zu erschaffen.

Julia Nogli:

Und die bleiben dann drin?

Dr. med. Sven Mularski:

Die bleiben drin.

Julia Nogli:

Genau, Dr. Reinke, da wollte ich Sie auch noch mal fragen. Sie müssen ja viel dann auch arbeiten mit solchen Elementen, irgendwelchen Materialien, die da mit reinkommen. Hat sich da was verändert, dass die dauerhaft drinbleiben können?

Ich habe letztes Mal gehört, es gibt sogar Sachen, die sich dann irgendwann von selber auflösen. Aber das ist eher bei Knochenbrüchen, glaube ich.

Dr. med. Marcus Reinke:

Ja, es hat sich viel getan. Also man muss ja unterscheiden, ob ich letztendlich einen Knochenbruch behandle im Rahmen eines osteosynthetischen Verfahrens. Diese Implantate müssen nicht immer dauerhaft bleiben.

Die können entfernt worden. Und da haben Sie vollkommen recht. Da gibt es heutzutage auch schon Werkstoffe, die sich letztendlich über die Zeit auflösen, sozusagen.

Im Bereich der Endoprothetik sieht das etwas anders aus. Hier wollen wir ja gerade, dass das Implantat bleibt. Und hier hat sich eine ganze Menge getan.

Das bedeutet, die Werkstoffe, aus denen die Kunstgelenke oder die Endoprothesen gefertigt sind, haben sich derart verbessert, dass wir sowohl im Bereich des Hüftgelenkes als auch im Bereich des Kniegelenkes heutzutage Standzeiten von 20 Jahren und mehr haben.

Julia Nogli:

Also auch nicht mehr diese komische Überlegung, ich bin jetzt erst Anfang 60, lohnt sich das? Da muss ich vielleicht nochmal, sondern machen lassen.

Dr. med. Marcus Reinke:

Das hat sich ein bisschen relativiert, wobei das immer noch so die Maßgabe ist. Also je später man im Verlaufe des Lebens ein künstliches Gelenk benötigt, desto besser ist das natürlich. Aber Ziel unserer Behandlung ist ja letztendlich eine schmerzfreie Mobilität zu erreichen für den Betroffenen oder die Betroffene.

Und dementsprechend wird das auch in gewissen Fällen bei jüngeren Patienten angewandt, sodass diese wieder ganz normal und beschwerdefrei am Alltag teilhaben können.

Julia Nogli:

Und selber vielleicht auch wieder Sport machen können, was ja wieder für Herz-Kreislauf-System, für alles ja auch besser wäre.

Dr. med. Marcus Reinke:

Genau, die sollen auch wieder Sport machen. Nicht jeder Sport ist für einen Träger eines Kunstgelenkes ein idealer Sport. Aber auch dazu beraten wir, was da machbar ist.

Das wären zum Beispiel Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren oder jegliche Sportarten, die letztendlich wenig Stoßbelastung auf entsprechende Gelenke hervorrufen.

Julia Nogli:

Dr. Mularski, nochmal zum Thema Schmerzen, Rückenschmerzen. Sie hatten es ja gerade so beschrieben, das ist ja ein Riesenproblem und ja ganz furchtbar einschränkend auch. Und das haben ja wirklich viele.

Sie sagten ja eben, dass Leute dann eben kaum noch eine Stellung finden, wo es irgendwie geht. Würden Sie da sagen, bitte früher kommen, sich trauen, mal gucken lassen und nicht denken, das ist jetzt ebenso?

Dr. med. Sven Mularski:

Also kommen und mal gucken lassen ist sicherlich ganz sinnvoll, weil Rückenschmerz selber ist ja keine Diagnose, ist ja ein Symptom. Und das kann ja ganz viele verschiedene Ursachen haben. Und da zu schauen, wo kommt das eigentlich her und was kann ich dagegen machen, das ist ja eine riesen Bandbreite, die man da in Behandlung machen kann.

Das ist sicherlich ganz, ganz sinnvoll. Wenn Sie heutzutage im Internet suchen oder die Apotheken Umschau aufschlagen, dann kriegen Sie Kopfkissen, Matratzen oder auch Apps verkauft für Ihre Rückenschmerzen. Aber Sie müssen halt erst mal schauen, wo kommen die her?

Und dann kann man in diese Richtung gehen und sich behandeln lassen oder selbst behandeln. Aber entscheidend ist erst mal die Diagnose.

Julia Nogli:

Und gibt es da auch Leute, die sich da im Nachhinein bei Ihnen melden und sagen, Mensch, hätte ich das mal vorher gemacht, geht mir jetzt gut. Kriegen Sie Feedback?

Dr. med. Sven Mularski:

Ja, also es gibt ja schon die Patienten, die man über die Sprechstunde über lange Zeit betreut und die man sagt, naja, wir können das mal probieren. Aber eigentlich wäre eine OP sinnvoll. Und die entscheiden sich dann manchmal nach einem Jahr oder nach zweien zur OP.

Julia Nogli:

Ja, das dauert.

Dr. med. Sven Mularski:

Und dann hört man halt auch, hätte ich gewusst, was das für einen Effekt hat, hätte ich es früher gemacht. Aber auch die Patienten muss man halt mit ihrer Erkrankung begleiten. Und wenn sozusagen deren Lebensqualität nicht mehr ausreicht und Sie sich die OP wünschen, dann ist ja der gute Zeitpunkt für die OP.

Man kann ja die Patienten auch nicht überreden und sagen, Sie müssen das jetzt machen. Sondern der Impuls muss ja vom Patienten kommen, seine Lebensqualität wieder in die Hand nehmen zu wollen.

Julia Nogli:

Ja, wir haben über Unfälle gesprochen und über andere Dinge, aber ein großes Thema ist ja auch Osteoporose. Also das verändert sich einfach was im Knochen, vor allem beim alten Menschen. Und das betrifft auch die Wirbelsäule.

Das ist auch Ihr Thema, ja?

Dr. med. Sven Mularski:

Das ist ein großes Thema und es wird ein immer größeres Thema, weil unsere Gesellschaft wird älter, die Osteoporose schreitet voran und wir haben heutzutage da in dem Bereich Patientenzahlen, die es vor 20 Jahren gar nicht gab. Und das stellt uns natürlich so ein bisschen vor das Problem, dass die normalen OP-Verfahren nicht unbedingt in dem alten osteoporotischen Knochen immer gut helfen. Also da muss man sich auch gut überlegen, kann man da jetzt groß operieren?

Hält das, was ich vielleicht in die Wirbelsäule einbringen möchte beim Bruch? Hält die Schraube, die ich da vielleicht einbringe oder muss ich anders tätig werden? Und da geht man eigentlich inzwischen doch auch zu minimalinvasiven Verfahren wie der Kyphoplastie, dass man eingebrochene osteoporotische Wirbel mit Zement auffüllt und aufrichtet, um dadurch über ganz kleine Verfahren die Patienten schnell wieder mobil zu bekommen und aus dem Bett zu bekommen.

Und da ist ein ganz großes Feld, was uns über die nächsten Jahre sehr beschäftigen wird.

Julia Nogli:

Herr Dr. Reinke, wie kommen denn die Leute zu Ihnen? Das sind jetzt alle sehr spezielle Diagnosen zum Teil. Die müssen erstmal gestellt werden.

Wo frage ich nach?

Dr. med. Marcus Reinke:

Wir stehen beratend gerne zur Verfügung. Wir haben Sprechstunden bei uns am Standort für die verschiedenen Bereiche, für die Wirbelsäule, für die Endoprothetik, für die Sportorthopädie. Wir haben auch Sprechstunden für stattgehabte Unfälle und osteosynthetische Versorgung.

Auch diese Patienten müssen weiter begleitet werden. Und entweder kommen sie mit einer Überweisung durch ihren Hausarzt oder durch ihren niedergelassenen behandelnden Arzt oder wenden sich direkt an unsere Sprechstunde in der Immanuel Klinik Rüdersdorf.

Julia Nogli:

Und die Kontaktdaten und alle Infos zur Immanuel Klinik Rüdersdorf finden Sie hier auf www.paradiso.de in unserer Mediathek unter Natürlich gesund. Dort auch die ganze Sendung wie immer zum Nachhören. Einen schönen Abend für Sie mit Radio Paradiso.