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20.11.2015

Chemie-Fabrik unseres Körpers: die Leber

Wie lassen sich Schäden der Leber erkennen und wie kann man sich davor schützen? Das erklärt Dr. med. Michael Zänker, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin am Immanuel Klinikum Bernau, zum 16. Deutschen Lebertag.
Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg - Nchricht - Deutscher Lebertag - Chemie-Fabrik unseres Körpers: die Leber - Interview mit Dr. med. Michael Zänker - Röntgenbild

Die Leber ist ein Organ mit vielen lebenswichtigen Aufgaben. Zum Beispiel speichert sie Nährstoffe, baut Schadstoffe ab oder produziert wichtige Stoffe für die Blutgerinnung. Arbeitet die Leber nicht mehr richtig, kann dies schwerwiegende Folgen für den gesamten Körper haben.

Herr Dr. Zänker, welche sind die wichtigsten Funktionen der Leber?

„Die Leber ist zunächst ein lebensnotwendiges Organ, ohne das der Mensch definitiv nicht überleben kann und welches wir bislang – im Gegensatz zu Herz und Nieren – auch nicht durch technische Geräte vorübergehend ausreichend ersetzen können.

Die Leber ist als eine Art chemische Fabrik Bildungsort für Blutbestandteile, Blutgerinnungsfaktoren aber auch verschiedenste Enzyme und Hormone. Sie ist weiterhin an der Umwandlung und Zwischenspeicherung verschiedenster Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette beteiligt. In der Leber mündet die sogenannte Pfortader, welche das nährstoffreiche Blut aus dem Darm heranführt. Schließlich gehört die Leber zusammen mit den Nieren zu den wichtigsten Ausscheidungs- und Entgiftungssystemen des Körpers. So werden viele Medikamente über die Leber abgebaut und über die Gallenwege und letztlich den Darm ausgeschieden.“

Die sogenannten Leberwerte werden aus dem Blut bestimmt. Mit Hilfe dieser Werte können Sie sagen, ob die Leber gesund ist und normal funktioniert?

„Nun, wir unterscheiden zum einen Laborwerte, welche die Funktion der Leber als Produktionsstandort widerspiegeln. Hierzu gehören beispielsweise Gerinnungstests oder der Nachweis einzelner Enzyme. Wiederum andere Laborwerte im Blut sind erhöht, wenn durch verschiedenste Mechanismen Leberzellen geschädigt oder zerstört werden oder wenn die Produktion und der Abfluss von Gallenflüssigkeit behindert ist. Durch Kombination dieser Bluttests kann häufig eine erste Einordnung von Lebererkrankungen erfolgen, ohne dass dies immer die Ursache der Schädigung erkennen lässt.“

Veränderte Leberwerte geben also Auskunft darüber, dass Leberzellen geschädigt sind. Werden im Anschluss daran weitere diagnostische Maßnahmen eingeleitet?

„Ja, dies ist häufig notwendig. Weitere diagnostische Maßnahmen umfassen dann Nachweistests von Virusinfektionen oder bildgebende Untersuchungen wie die Sonographie mit und ohne Kontrastmittelunterstützung, gegebenenfalls die Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) sowie endoskopische Untersuchungen der Gallenwege. In bestimmten Fällen sind auch Gewebeproben der Leber erforderlich, um Art und Umfang einer Leberschädigung bestimmen zu können. Eine solche Leberbiopsie erfolgt dann unter lokaler Betäubung und in der Regel unter Ultraschallkontrolle.“

Gibt es bestimmte Symptome, die ein Warnsignal sein können?

„Solche Warnsignale kann es, muss es aber nicht geben, da die Leber oft schleichend geschädigt wird. Erhöhte Leberwerte im Zusammenhang mit einer akuten Durchfallerkrankung müssen an eine Virushepatitis, z.B. Hepatitis A oder E, denken lassen. Schmerzen unter dem rechten Rippenbogen können als Ausdruck einer Leberschwellung bei einer akuten Virushepatitis oder auch bei Gallensteinkoliken und Gallenblasenentzündungen auftreten.

Die meisten Symptome treten jedoch eher spät im Krankheitsverlauf auf: Juckreiz der gesamten Haut oder Gelbfärbung kann auf fortgeschrittenen Gallenstau hinweisen. Wasseransammlung im Bauch, Schwellung der Unterschenkel, vermehrte Venendarstellung an der Bauchhaut und Ausbildung von Krampfadern in der Speiseröhre sind dann Begleitsymptome oder Folgen einer oft nicht mehr heilbaren Vernarbung der Leber, einer Leberzirrhose.“

Welche sind die häufigsten Ursachen für Leberschäden?

„Der häufigste Leberschaden ist die sogenannte Fettleber (Steatosis). Diese ist durch Fehl- und Überernährung, aber auch übermäßigen Alkoholkonsum verursacht. Führen diese Prozesse zu einem Anstieg der Leberwerte, spricht man dann bereits von einer Fettleberhepatitis. Häufig wird die notwendige Alkoholmenge überschätzt, die bei regelmäßigem Konsum zur Leberschädigung führt.

Gemäß der Weltgesundheitsorganisation WHO gelten bereits täglich etwa ein halber Liter Bier oder ein Glas Wein oder Sekt mit 200 Milliliter Fassungsvermögen oder etwa drei einfache 40-prozentige Schnäpse bei Frauen als Obergrenze für vermutlich nicht schädigenden Alkoholkonsum. Bei Männern liegt der Grenzwert bei etwa 0,75 Liter Bier oder 300 Milliliter Wein bzw. Sekt oder etwa viereinhalb einfachen 40-prozentigen Schnäpsen am Tag. Zusätzlich empfiehlt die britische Ärztegesellschaft 1 bis 2 abstinente Tage pro Woche.“

Stimmt es, dass die Leber sich gut selbst von ihren Schäden erholen kann, wenn die Ursache frühzeitig erkannt wurde?

„Leider können nur frühe Stadien der Leberschädigung wie die Fettleber und die Fettleberhepatitis ausheilen, sofern die ursächlichen Faktoren ausgeschaltet werden können. Eine Leberzirrhose als bindegewebiger narbiger Umbau des Lebergewebes ist dagegen unumkehrbar.“

Wie können wir selbst unsere Leber vor Schäden schützen?

„Wir können unsere Leber am besten schützen, wenn wir ihr Schäden durch zu hohe Alkoholmengen ersparen, wenn wir bewusst mit der Einnahmedauer von Medikamenten und deren Dosierungen umgehen, die Leber keinen Mehrfachbelastungen durch gleichzeitigen Medikamenten- und Alkoholgebrauch aussetzen und nicht gleich jeden Pilz essen, der uns nicht hundertprozentig bekannt erscheint. Menschen aus beruflichen Risikogruppen, die mit Blut und Blutprodukten zu tun haben, sollten einen wirksamen Impfschutz gegen Hepatitis B haben.

Bei Reisen in südliche Länder sollte auch an den Impfschutz gegen eine Hepatitis A gedacht werden. In Brandenburg hat die Hepatitis E, oft über Schweine und Wildtiere übertragen, allerdings die Hepatitis A schon an Häufigkeit überholt. Eine Impfung gegen die Hepatitis E gibt es jedoch bislang nur in China.“

 
 
 
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