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Die Einschlusskörpermyositis (IBM) ist eine seltene, chronisch fortschreitende Muskelerkrankung, für die es bislang keine wirksame Therapie gibt. Ein internationales Forscherteam unter Ko-Leitung von Prof. Dr. med. Jens Schmidt von der Immanuel Klinik Rüdersdorf, Universitätsklinikum der MHB, hat ein neuartiges experimentelles Modell entwickelt, das zentrale Krankheitsmechanismen der Einschlusskörpermyositis realitätsnah nachbildet. Die Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift BRAIN veröffentlicht.

Die Studie entstand in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Heidelberg, Aachen und weiteren Standorten. Sie liefert wichtige neue Einblicke in die Krankheitsentstehung und erklärt zugleich, warum klassische entzündungshemmende Therapien bei der Einschlusskörpermyositis bislang weitgehend wirkungslos geblieben sind.

Entzündung und gestörte Eiweißverarbeitung verstärken sich gegenseitig

Charakteristisch für die Einschlusskörpermyositis ist ein bislang nur unzureichend verstandenes Zusammenspiel zweier zentraler Mechanismen: einer chronischen Entzündung im Muskelgewebe und einer Störung des zellulären Proteinrecyclings, der sogenannten Autophagie. Dabei kommt es zu schädlichen Eiweißablagerungen in den Muskelzellen und zu einem fortschreitenden Funktionsverlust der Muskulatur.

Das nun vorgestellte Modell bildet erstmals beide zentralen Krankheitsmerkmale gleichzeitig ab. Die Forschenden konnten zeigen, dass weder eine isolierte Entzündung noch eine alleinige Störung der Autophagie ausreichen, um das vollständige Krankheitsbild hervorzurufen. Erst die Kombination beider Kaskaden führte zu typischen Veränderungen wie Eiweißaggregaten, mitochondrialen Schäden und einer deutlichen Beeinträchtigung der Muskelfunktion – wie sie auch bei Patientinnen und Patienten mit Einschlusskörpermyositis beobachtet werden.„Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich Entzündung und eine Störung der Autophagie gegenseitig verstärken und gemeinsam die charakteristischen Muskelschäden verursachen“, erläutert Prof. Schmidt, Chefarzt der Abteilung für Neurologie und Schmerztherapie an der Immanuel Klinik Rüdersdorf und Professor für Neurologie an der Medizinischen Hochschule Brandenburg. „Das ist ein entscheidender Schritt, um die komplexe Krankheitsentstehung der Einschlusskörpermyositis besser zu verstehen.“
 

Zwei Mitarbeiterinnen bei der Arbeit im Labor
© Immanuel Albertinen Diakonie

Warum bisherige Therapien scheitern

Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem entzündlichen Botenstoff Lymphotoxin zu, der im Modell eine anhaltende Stressreaktion in den Muskelzellen auslöst und zugleich die gestörte Autophagie verstärkt. Dieser Mechanismus erklärt, weshalb gängige Therapien wie Kortison oder andere stark immunsuppressive Behandlungen im Modell – ebenso wie in klinischen Studien – keine Besserung der Erkrankung bewirken konnten.

„Das deckt sich mit den bislang enttäuschenden Ergebnissen aus der klinischen Praxis und unterstreicht, dass wir neue therapeutische Strategien benötigen“, so Schmidt.

Grundlage für neue Therapieansätze

Das neu entwickelte Mausmodell eröffnet nun die Möglichkeit, gezielt nach alternativen Behandlungsansätzen zu suchen. Im Fokus stehen dabei Therapien, die entweder die zelluläre Eiweißverarbeitung stabilisieren oder gezielt in die durch Lymphotoxin ausgelöste entzündliche Zellstresskaskade eingreifen – oder beide Mechanismen gleichzeitig adressieren.

Damit leistet die Studie einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis der Einschlusskörpermyositis und schafft zugleich eine Grundlage für die Entwicklung neuer, dringend benötigter Therapieoptionen.