Ganzkörperschmerz und Fibromyalgie-Syndrom

Hierbei handelt es sich um chronische Schmerzen in mehreren Körperregionenen, die in der Regel verschiedene Abschnitte des Rückens, beider Arme und Beine betreffen.

Was sind Ganzkörperschmerz und Fibromyalgie Syndrom?

Von einem Ganzkörperschmerz (chronic widespread pain) sprechen wir, wenn ein chronischer Schmerz in mehreren Körperhauptregionen besteht. In der Regel sind verschiedene Abschnitte des Rückens, beider Arme und Beine betroffen. Häufig können 10 oder mehr Schmerzorte beim Patienten oder der Patientin gefunden werden. Hintergrund hierfür können komplexe Muskel-Bindegewebs-Störungen, aber auch Erkrankungen der Gelenke, der Nerven, der Psyche oder Entzündungsprozesse sein.

Diagnose

Die Diagnose Fibromyalgie-Syndrom wird dann gestellt, wenn neben den Schmerzen auch noch weitere Symptome hinzutreten. Diese können entweder schon vor den Schmerzen bestehen – häufig ist das eine psychovegetative Erschöpfung – oder sich im Gefolge der chronischen Schmerzen herausbilden. Sie lauten im Einzelnen: nicht-erholsamer Schlaf, häufig auch Durchschlafstörungen, Erschöpfung und Tagesmüdigkeit – ähnlich dem Fatigue-Syndrom und Konzentrations- und Schlafstörungen.

Alle Symptome müssen über mindestens drei Monate vorliegen. Häufig besteht bei den Betroffenen auch eine Überempfindlichkeit gegenüber mechanischem Druck, Geräuschen, Gerüchen und sogar gegenüber Medikamenten. Frauen sind häufiger von der Erkrankung betroffen als Männer. Ein weiterhin häufig anzutreffendes Symptom ist das Steifegefühl – meist in den Händen, das oft auch mit einer sichtbaren Schwellung einhergeht, ohne dass es Entzündungsprozesse gibt wie bei den rheumatischen Erkrankungen. Nicht selten bestehen auch Kopfschmerzen, Leibschmerzen und eine Depression.

Ursachen

Die Ursache für das Fibromyalgie Syndrom ist noch nicht abschließend geklärt. Es handelt sich nicht um eine entzündlich rheumatische Erkrankung. Es ist auch keine primäre Erkrankung der Muskeln und/oder Gelenke, auch wenn der Name „Fibromyalgie“ (wörtlich übersetzt „Faser-Muskel Schmerz“) dies suggeriert.

Es handelt sich wahrscheinlich um eine Störung der Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark). Einerseits zeigt sich die Schmerzempfindlichkeit (Schmerzschwellen z.B. für Druck oder Hitze) verändert und andererseits scheint die neurobiologisch eigentlich robust angelegte Schmerzhemmung bei Menschen mit Fibromyalgie deutlich vermindert zu sein. Sowohl von der Forschung her als auch aus unserer Erfahrung heraus wissen wir, dass jede Form von intensivem chronischen Stress – häufig verbunden mit einem körperlichen Ereignis und frühere Schmerzerfahrungen einen ungünstigen Einfluss auf die Reiz- und Schmerz-verarbeitung haben. Diese veränderten Reizschwellen im Nervensystem sind sicherlich auch ein Grund für die häufig bei Fibromyalgie anzutreffenden psychischen Erkrankungen, insbesondere Depressionen und Angststörungen.

Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass häufig auch frühe traumatisierende Erfahrungen in der Kindheit (Vernachlässigung, körperliche und/oder seelische Misshandlung, sexueller Missbrauch) im späteren Leben zu nicht organisch erklärbaren Schmerzen im Sinne eines Fibromyalgie Syndroms führen können.

Behandlung

Fibromyalgie sollte auf körperlicher, psychischer und sozialer Ebene behandelt werden. Dabei sollte die Therapie immer individuell zugeschnitten sein. Ausdauer- und Krafttraining, Funktionstraining und Entspannungstraining sind ebenso wichtig wie das Erkennen und Akzeptieren der eigenen Belastungsgrenzen, der Abbau des Vermeidungsverhaltens oder das Erlernen von Stressbewältigungstechniken. Medikamentöse Therapien haben beim Fibromyalgie Syndrom eher einen geringen Stellenwert, aber gerade wenn Schlafstörungen oder depressive Symptome vorhanden sind, können bestimmte Antidepressiva helfen, die einerseits schmerzdistanzierend und andererseits schlaffördernd wirken. In Einzelfällen setzen wir auch Cannabispräparate in Tropfenform ein. Eine Behandlung mit inhalativen Cannabispräparaten („Blüten“) lehnen wir bei Schmerzerkrankten strikt ab.

 
 
 
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