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11.10.2017

Wie Captain Kirk auf der Brücke des Raumschiffs Enterprise

Erfolgreicher Roboter-Tag in der Immanuel Klinik Rüdersdorf am 7. Oktober. Rüdersdorfer, niedergelassene Ärzte, Beschäftigte der Klinik und andere Neugierige durften den daVinci-Operationsroboter selbst testen.

Ganz schön herausfordernd: Beim Robotertag durften Besucher sich selbst an die Konsole setzen, um von dort aus die Arme des Operationsroboters zu bewegen und kleines Spielzeug zu sortieren. Foto: Christina Rado

„Ein Herr aus Frankreich ist da und möchte was übergeben“ – heißt es aus der Rezeption, als das daVinci Trainings-System am Freitagnachmittag in Rüdersdorf ankommt. Der Fahrer fuhr am Morgen in Köln los, wo das Gerät zuvor im Einsatz war, stand aber wohl vier Stunden im Stau auf der A2 und hatte „mächtiges Pech“. Dennoch ist er anderthalb Stunden früher als geplant vor dem Haupteingang der Immanuel Klinik Rüdersdorf eingetroffen – wir fragen uns, wann er denn heute losgefahren ist.

Ein daVinci-Trainings-System rollt in einem unscheinbaren Lieferwagen über das ganze Jahr von Klinik zu Klinik durch ganz Europa. Wie wir beim Ausladen erfahren, legten der Operationsroboter und sein LKW-Fahrer vergangenes Jahr rund 100.000 km zurück. Eine Tour ging in Paris los, führte zunächst nach Bratislava, dann weiter nach München und Hamburg, um schließlich an der französischen Côte d´Azur in Nizza zu enden. Der Fahrer ist ein Profi: Es ist alles minutiös durchgeplant; er rangiert gekonnt in der engen Einfahrt zur Warenanlieferung, erklärt dabei, dass das Bier in Deutschland einfach viel besser als das in Frankreich sei, löst anschließend die mehrere Millionen Euro teure Medizintechnik bravourös aus den Spanngurten und verlädt sie vor den Lastenaufzug der Klinik.

Vierarmige Krake leuchtet purpurn

Wenig später steht die vierarmige „Krake“ daVinci samt ihren zwei Steuerungskonsolen, Monitoren und Computertechnik hochgefahren und purpurn leuchtend im abgedämmten Licht im „Raum der Stille“. Noch ist niemand außer uns hier, da der Event erst morgen stattfindet. Die Atmosphäre ist aber bereits jetzt außerirdisch: als hätte sich Captain Kirk eben nur einen Kaffee geholt, um wieder hier, auf die Brücke des Raumschiffs Enterprise, das Kommando zu übernehmen.

Am Samstagnachmittag füllt sich schließlich der kurzerhand aus der Kapelle umgewandelte Veranstaltungssaal, und die ersten neugierigen Gäste setzen sich prompt auf die Drehhocker vor der Steuerungskonsole und gucken durch die Optik der Steuerkonsole auf bunte Übungselemente. Etwa 80 Interessierte aus der Region Rüdersdorf, darunter niedergelassene Ärzte, Bürger und Beschäftigte der Klinik, sind gekommen, um den neuen „Assistenten“ aus dem OP kennenzulernen.

Minimalinvasiv eine Sterilisation rückgängig machen

Es haben sich außerdem alle Chirurgen aus der Immanuel Klinik Rüdersdorf eingefunden, um sich und ihre medizinischen Schwerpunkte vorzustellen: Chefarzt Dr. Krüger, Oberarzt Martin und Dr. Schlick versorgen viszeralchirurgische Patienten, wobei ein besonderer Fokus auf den Erkrankungen des oberen (z.B. Speiseröhre, Magen, Leber) und unteren Gastrointestinaltrakt (Mastdarm, Enddarm) liegt. Chefarzt Dr. Hegenscheid operiert gynäkologische Indikationen, führt aber auch Refertilisations-OPs durch und bereitet für manch eine Patientin selbst nach erfolgter Sterilisation den Weg zur Erfüllung des späten Kinderwunschs.

Die Ärzte stellen sich allen Fragen der Gäste. Sie erklären den Nutzen der neuen Technologie, wie etwa die vergrößerte Beweglichkeit mit den Instrumenten auf ein paar Zentimetern Arbeitsraum, das Operieren ohne natürlichen Hand-Tremor (Handzittern), die zehnfache Vergrößerung des Bildes bei dreidimensionaler Optik oder das hochpräzise und schonende Operieren. Daneben wird auch intensiv diskutiert, bei welchen Erkrankungen und Patienten eine Operation mit dem daVinci sinnvoll ist. Dr. Krüger stellt aber auch fest, dass nicht alles, was technologisch möglich ist, medizinisch empfehlenswert ist. Es stehe nie allein die Indikation als Entscheidungsfaktor für oder gegen eine daVinci-OP. Entscheidend seien stattdessen immer die individuellen Voraussetzungen des Patienten.

Jede zweite Prostata-OP wird in Deutschland mit dem daVinci durchgeführt

Gynäkologische und urologische Erkrankungen seien die etablierten Anwendungsgebiete der robotisch assistierten Chirurgie, erklären die Fachleute dem Publikum. Ihr zunehmender Einsatz bei Prostataektomien, also (Teil-)Entfernungen der Prostata, sei ein bemerkenswertes Beispiel für den Wandel im deutschen Gesundheitswesen. Da durch Studien und viele tausend erfolgreiche Eingriffe der Patientennutzen der robotisch assistierten Eingriffsmethodik nicht mehr wegzudiskutieren sei, werde inzwischen jede zweite Prostata-OP mit daVinci durchgeführt. In diesem einzigen Ausnahmefall hätten sogar die Kassen den Nutzen der teureren Technologie eingeräumt und die Vergütungssätze um 25 Prozent angehoben, erfahren die Zuhörer.

Die sehr facettenreiche und komplexe Viszeralchirurgie sei dagegen in der robotisch assistierten Chirurgie noch ein junges Feld. „Jede Uniklinik hat mittlerweile einen daVinci, aber dass eine Klinik der Akut- und Regelversorgung wie die in Rüdersdorf in die Technologie investiert, ist ungewöhnlich und pionierhaft“, erklärt Dr. Schlick. Von 105 daVinci- Systemen in Deutschland (Stand: September 2017) steht Nr. 90 im Operationsaal 2 der Immanuel Klinik Rüdersdorf und ist augenblicklich noch der einzige im gesamten Land Brandenburg.

Kinder klar im Vorteil an der Konsole

„Genug von der Theorie, nun sind alle Gäste dazu eingeladen, sich an die Trainings-Systeme zu setzen und selbst einmal einen daVinci auszuprobieren“, lenkt Dr. Schlick die Aufmerksamkeit auf die zwei leise vor sich hin brummenden Steuerungskonsolen. Geduldig führen Dr. Krüger, Dr. Hegenscheid, Oberarzt Martin und Dr. Schlick Jung und Alt in die Welt der Operationsroboter ein. Dr. Hegenscheid erklärt, dass Kinder einen klaren Vorteil besitzen, wenn es um die Hand-Augen-Koordination geht – denn man muss sich sehr schnell in einen zehnfach vergrößerten und dreidimensionalen Arbeitsraum hineinversetzen können. Das gelingt Kindern spielerisch.

Es scheint, als würden wir an diesem Samstagnachmittag den Grundstein für den chirurgischen Nachwuchs in Brandenburg legen, da es Eltern nur schwer gelingt, ihre Sprösslinge von den Steuerungskonsolen zu lösen. Das nimmt Nicole May mit ihren zwei Söhnen jedoch gelassen. Sonst, wenn die Kinder nach ihrer Arbeit beim Logistikdienstleister der Immanuel Diakonie fragten, hätten sie ihre Erklärungen immer mit „das ist ja langweilig“ kommentiert. Hier aber sind es vor lauter Begeisterung ausgerechnet ihre Jungs, die sich als letzte überzeugen lassen, nach Hause zu gehen.

Heute ging es vor allem darum, die Kluft zwischen Chirurgen und interessierten Laien zu schließen, die allzu selten miteinander in Berührung kommen – meist nur, wenn es einen gesundheitlichen Anlass gibt, den Arzt aufzusuchen. „Es ist wichtig, dass wir uns so früh wie möglich und fortwährend über Technologien, Medizin und Fragen der Menschen austauschen. Nur so können wir Vorbehalte abbauen, um den natürlichen Fortschritt in der Medizin genau wie auf jedem anderen Entwicklungsgebiet einerseits differenziert zu betrachten und andererseits wohlwollend zu ermöglichen,“ betont Chefarzt Dr. Krüger in der Zusammenschau. „Und genau das ist uns heute sehr gut gelungen.

Von Christina Rado

 
 
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