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17.05.2019

Was tun bei chronischen Schmerzen im Kindes- und Jugendalter?

Im Interview erklärt Meike Wetzling, Pädiatriechefärztin in der Immanuel Klinik Rüdersdorf, warum Aufklärung bei chronischen Schmerzen so wichtig ist. Am 25. Mai informiert sie Kinder und Eltern über Wege aus der Schmerzfalle.
Meike Wetzling, Chefärztin der Abteilung für Kinder und Jugendmedizin untersucht ein Kind

Spielerisch untersucht Meike Wetzling, Chefärztin der Abteilung für Kinder und Jugendmedizin, einen kleinen Patienten.

Chronische Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu. Bei 350.000 Kindern in Deutschland beeinträchtigen die Schmerzen sogar das ganze Leben. Doch oft fehlt Eltern und Kindern der Zugang zu Wissen über Schmerzerkrankungen. So gibt es im Osten Deutschlands kein einziges auf Kinder spezialisiertes Schmerzzentrum. Damit Betroffene in der Region östlich von Berlin mehr über die Ursachen chronischer Schmerzen erfahren und Wege aus der Schmerzfalle kennenlernen, wird die Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin künftig regelmäßig über chronische Schmerzen im Kindes- und Jugendalter informieren.

Los geht es am 25. Mai 2019 um 11 Uhr mit einem Vortrag von Chefärztin Meike Wetzling für Kinder und Eltern. Die Kinderärztin ist ausgebildete Schmerztherapeutin und behandelt mit ihrem Team auch psychosomatische Erkrankungen in enger Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Institutsambulanz. Diese Tagesklinik auf dem Gelände der Klinik gehört zur Kinder- und Jugendpsychiatrie des Rhön Klinikums Frankfurt/Oder.

Frau Wetzling, was sind chronische Schmerzen und woher kommen sie?

Es gibt kein Leben ohne Schmerzen. Schmerz hat eine wichtige Funktion. Aber Schmerz ist nicht gleich Schmerz. Im Gegensatz zum Akutschmerz, den wir haben, wenn wir uns zum Beispiel verletzen, sind chronische Schmerzen regelmäßig wiederkehrende Schmerzen, denen wir keine konkrete Ursache zuordnen können. Das sind bei Kindern besonders häufig Bauchschmerzen oder Kopfweh.

Ganz wichtig ist: Die Schmerzen sind echt. Das Kind bildet sie sich nicht nur ein. Die körperliche und die psychische Seite der Schmerzen können wir nicht getrennt betrachten. Alle Schmerzen entstehen im Gehirn. Chronische Schmerzen sind vom Gehirn gelernte Schmerzen. Hier ist der Schmerz selbst die Erkrankung.

Was wollen Sie mit dem einstündigen Vortrag am 25. Mai erreichen?

Wir wollen aufklären, denn Aufklärung ist das beste Mittel gegen chronische Schmerzen. Wenn ich verstehe, woher der Schmerz kommt und welche Möglichkeiten ich habe, ihn in den Griff zu bekommen, dann kann allein dieses Wissen genügen, um dem Schmerz die Macht zu nehmen. Manchmal verschwindet er dann sogar. Aber auch, wenn er nicht verschwindet, kann ich lernen, mit dem Schmerz zu leben, indem ich übe, ihn in seine Schranken zu weisen und wieder selbst über mein Leben zu bestimmen.

Warum ist es wichtig, dass Kinder und Eltern gemeinsam an der Informationsveranstaltung teilnehmen?

Schmerz hat die Angewohnheit, die ganze Familie durcheinander zu bringen, weil er Angst, Hilflosigkeit und Unsicherheit verbreitet. Woher kommt der Schmerz? Wie kann ich sicher sein, dass keine schlimme Erkrankung dahinter steckt? Sind die Schmerzen echt? Wie kann ich meinem Kind helfen? Soll ich mein Kind trotz Schmerzen in die Schule schicken? Es ist wichtig, dass das Kind und mindestens ein Elternteil, besser beide, an einem Strang ziehen, um den Schmerz gemeinsam in den Griff zu bekommen.

Wie kann das konkret gelingen?

Ganz am Anfang steht die medizinische Abklärung der Ursachen. Wenn sich herausstellt, dass es sich um eine Schmerzstörung handelt, ist es wichtig, dass das Kind und sein Umfeld den Schmerz einerseits ernst nehmen und ihn gleichzeitig nicht den Alltag bestimmen lassen. Das heißt, das Kind sollte weiter zur Schule gehen, Dinge tun, die ihm Spaß machen und sich ablenken. Das Gehirn hat den Schmerz gelernt und kann ihn auch wieder verlernen. Es gibt Übungen, die dabei helfen und die Eltern unterstützen können. Gemeinsam können Kinder, Eltern, Kinderärzte und Kinderpsychologen den Schmerz in seine Schranken weisen.

Ab welchem Alter ist der Vortrag geeignet? Wie schaffen Sie es, auch jüngere Kinder mitzunehmen?

Der Vortrag kann von Kindern etwa ab dem achten Lebensjahr verstanden werden. Die Problematik tritt meist ab dem Schulalter auf, also ab sechs Jahren. Wenn jüngere Kinder zu uns in die Behandlung kommen, benutze ich oft eine Tür, die ich öffne und schließe, um zu zeigen, dass wir einen Einfluss haben auf den Schmerz, also der „Bestimmer“ sein können. Oder ich spreche von Fußballspielern, die, obwohl sie sich verletzt haben, doch erstmal gar keinen Schmerz fühlen. Das können die Jungs oft gut nachvollziehen.

Ich beschreibe die depressive Gefühlswelt, die entsteht als „schwarze Gedanken“ und frage die Kinder, ob sie das schon erlebt haben. Oft fließen dann die Tränen, weil sie das gut kennen. Außerdem lege ich die sogenannte 1-Euro-Regel fest, die besagt, dass das Kind jedes Mal, wenn die Eltern es nach den Schmerzen fragen, dafür 1 Euro bekommt. Das finden sie toll und die Motivation steigt. So gibt es viele kleine Dinge, die für Kinder gut verständlich sind.

 
 
 
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