Kopfschmerzen

Kopfschmerzen zählen zu den am häufigsten auftretenden Schmerzen in Deutschland. Neben den verschiedenen Arten, werden auf dieser Seite auch der Einsatz von Medikamenten und die Gefahren einer Selbstmedikation thematisiert.

Kopfschmerzen gehören insgesamt in Deutschland nach den Rückenschmerzen zu den häufigsten Schmerzen überhaupt. Die bekanntesten Kopfschmerzarten sind Migräne und Spannungskopfschmerz, viel wird von den Betroffenen gegen die Schmerzen versucht, von freiverkäuflichen Tabletten bis zu Wunderheilern, wird alles probiert. Die Gefahren der Selbstmedikation sind den meisten Betroffenen nicht bewusst.

Migräne

Wie sieht in der Regel eine typische Migräneerkrankung aus: Hämmernde-bohrende einseitige Kopfschmerzen in Verbindung mit starker Übelkeit. Die Dauer der intensiven Schmerzen kann von 30 Minuten bis 72 Stunden variieren. Der Schmerz zwingt in der Regel die Patienten zur Ruhe und ist begleitet von starker Licht – und Geräuschempfindlichkeit, so das sich die Patienten zurückziehen müssen.

Vorboten eines bevorstehenden Migräneanfalles können Müdigkeit mit Drang zum Gähnen, Abgeschlagenheit, Reizbarkeit oder Stimmungsschwankungen, oder Heißhunger sein. Einige Migränepatienten erleben langsam blitzartige Lichterscheinungen oder Flimmern, andere mehr Schwindel, Missempfindungen der Haut der Arme, Sprachstörungen, oder Konzentrationsschwierigkeiten. Bei diesen Vorboten sprechen wir von einer Aura. Diese Aura läuft eine Stunde vor dem eigentlichen Kopfschmerz ab.

Das Migräneleiden stellt sich oft schon in der Pubertät ein, wird aber dort meist gar nicht als solches erkannt. Oft sind die Eltern, Großeltern oder Geschwister der Patienten auch Migränepatienten. Die Migräneanfälle können im Erwachsenalter an Stärke zunehmen, meist kommt es in Lebensphasen stärkerer Belastung zu verstärkten und vermehrten Anfällen.

Nicht selten leiden Migränepatienten nicht nur an einer Migräne, sondern an zusätzlich ein oder zwei anderen Kopfschmerzformen. Dann ist es für den Patienten besonders wichtig, diese unterschiedlichen Kopfschmerzen unterscheiden zu können, um keine Fehler in der medikamentösen Behandlung zu machen. Im ungünstigsten Fall kommt es zu einem Medikamentenübergebrauchskopfschmerz als Dauerschmerz, wenn Migränemedikamente zu lange und bei falscher Gelegenheit eingesetzt werden.

Medikation

Jeder Kopfschmerzpatient muss durch gute Aufklärung und Wissensvermittlung „Spezialist“ für seine Kopfschmerzen werden. Genauso wichtig, wie der Umgang mit Migränemedikamenten bei einem Migräneanfall ist dabei auch der Einsatz von vorbeugenden Medikamenten als Dauermedikation und die Begrenzung der Einnahmehäufigkeit von eigentlichen Schmerzmedikamenten.

Für die meisten Migränepatienten gilt, dass die Migräneerkrankung ein Leben lang bestehen wird, lediglich im Alter kann es zu einem gänzlichen Verschwinden der Erkrankung kommen. Die Suche nach einer „Heilung“ kann dabei bizarre Formen annehmen. Frustrierte Patienten sollten sich über die Ausschöpfung aller schulmedizinischen Möglichkeiten vom Einsatz vorbeugender Medikamente bis zu einer effektiven Medikation zur Anfallsbehandlung informieren lassen. Zudem können Entspannungsverfahren, Ausdauersportarten, gesunde Lebensführung und regelmäßige Mahlzeiten helfen.

Anfallsbehandlung

Für die medikamentöse Behandlung von Migräneattacken stehen und heute eine Reihe wirksamer Medikamente zur Verfügung: die Triptanen, Azetylsalizylsäure, Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen.

  • Nehmen Sie Medikamente sobald Sie eine Migräneattacke erkennen.
  • Keine vorbeugende Einnahme von Schmerzmitteln!
  • Nicht mehr als 10 Tage lang ohne Kenntnis des behandelnden Arztes Schmerzmedikamente einnehmen.

Besonders wichtig sind jedoch Medikamente die zur Vorbeugung der Migräne eingesetzt werden, wenn mehr als drei Anfälle im Monat regelmäßig das Befinden der Betroffen nachhaltig beeinträchtigen. Zu diesen Medikamenten gehören vor allem niedrigdosierte Antidepressiva, die in der Lage sind, das schmerzregulierende Nervensystem zu beeinflussen.

Eine andere Medikamentenklasse zur Vorbeugung sind die sogenannten Antikonvulsiva als Medikamente, die ursprünglich ausschließlich in der Epilepsiebehandlung ihren Platz hatten, aber heute wertvolle Dienste in der Migräneprophylaxe leisten, indem sie die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn für Migräneanfälle herabsetzen. Bekanntermaßen leisten auch hochdosiertes Magnesium und pflanzliche Präparate gute Dienste.

Vorbeugende Medikamente müssen langzeitig und regelmäßig, meist abends mehrere Monate eingenommen werden.

Sie werden zwar die Häufigkeit und Stärke der Migräneattacken reduzieren – ein Leben ohne Migräneanfälle hingegen kann nicht erreicht werden. Es ist deshalb von größter Bedeutung, dass ein Migränepatient genau weiß, welche Medikamente er einnehmen sollte. Die Medikamente haben bei unsachgemäßen Gebrauch starke Nebenwirkungen. Im ungünstigsten Fall können Schmerzmittel selbst zu Kopfschmerzen führen, wenn sie zu oft eingenommen werden.

Kopfschmerz durch Medikamente

Bei einem Übergebrauch von Migränemittel kann ein (Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz) entstehen. Dabei zählen die Tage im Monat, an denen der Patient diese Medikamente einnimmt. Liegt die Anzahl der Tage über 12 im Monat, ist die Gefahr eines Dauerkopfschmerzes durch diese Medikamente gegeben.

Der Dauerkopfschmerz zeigt sich meist anders als der ursprüngliche Kopfschmerz und ist dann oft beidseitig, längeranhaltend und dumpf-drückend. Erfolgreich ist eine konsequente Entgiftung und ein Überdenken des gesamten Behandlungskonzeptes für die „Zeit danach“. Patienten mit einem MÜK profitieren außerordentlich gut von einer sogenannten multimodalen Schmerztherapie, da der Patient in diesem Rahmen Zeit hat, sich mit nichtmedikamentösen Verfahren der Schmerzbehandlung zu beschäftigen und der Körper in dieser Zeit unter Aufsicht und Schutz entgiftet werden kann.

Die Gefahr eines MÜKs besteht wenn:
  • Kopfschmerzmedikamente über einen Zeitraum von mehr als 3 Monaten,
  • mehr als 10 Tagen pro Monat eingenommen werden und dabei,
  • ein Kopfschmerz an mehr als 15 Tagen pro Monat besteht.
  • eine Kopfschmerzbesserung innerhalb von zwei Monaten nach einer Einnahmepause auftritt.

Weiterführende Informationen zum MÜK finden Sie hier.

Der Clusterkopfschmerz

Clusterkopfschmerzen sind extrem starke, einseitig im Bereich der Augen, der Stirn oder der Schläfe auftretende Schmerzen von 15-180 Minuten Dauer. Die Attacken treten nachts und tagsüber ein- bis mehrfach auf und sind durch Augenrötung- und tränen, Verstopfung der Nase, Nasenlaufen, Verengung der Pupillen, Hängen des Augenlides, Schwellung der Augenlider begleitet.

Der Clusterkopfschmerz tritt typischerweise gehäuft auf; (cluster: englisch Haufen). Zwischen den einzelnen, zum Teil längeren Schmerzphasen gibt es auch längere völlig schmerzfreie Zeiten, die bis zu mehreren Monaten andauern können. Auch wenn der Clusterkopfschmerz eine eher seltenere Kopfschmerzart ist, sieht man in Schmerzzentren eine Zunahme der Patientenzahlen. Leider berichten die meisten Patienten über zu lange Zeiten, die bis zur Diagnosestellung und effektiven Behandlung verstrichen sind.

Effektive Attackentherapie

Am effektivsten wirkt eine Inhalation von 100 %igem Sauerstoff und die Gabe eine Triptans.

Weiterhin wirksam sind:

Lidocain-Sprays

Zur Vorbeugung gibt es eine Reihe effektiver Medikamente:

Hierzu zählen Kortikosteroide, orale Triptane und Ergotamintartrat. Langfristiger sollten zusätzlich Substanzen eingesetzt werden, die für eine längerfristige, oder auch Dauertherapie, geeignet sind. Zu dieser Gruppe zählen Verapamil, Lithium, Valproinsäure und früher auch das Methysergid.

 
 
 
Alle Informationen zum Thema

Poliklinik Rüdersdorf

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